In
Freiberg hauste einst ein gar stolzer und hartherziger Schloßherr,
ein rechter Leutschinder, der seine Untertanen grob behandelte
und schändlich ausnützte.
Einmal mußten die leibeigenen Bauern im Tal mächtige
Bäume fällen und die schweren Stämme mit ihren
halbverhungerten abgerackerten Pferden den steilen Burgweg hinaufschleppen.
Die Gäule brachen der Reihe nach zusammen und konnten die
schwere Arbeit nicht leisten; doch der Burgherr hatte kein Mitleid
mit ihnen. Heftig fluchend und die lange Peitsche nicht sparend
hieb er erbarmungslos auf Menschen und Pferde ein. Zuletzt mußten
sich die Bauern selbst vor den Wagen spannen und mit Hohn und
Spott trieb sie der Wüterich an.
Doch es half alles nichts, der Wagen kam nicht von der Stelle.
Blaurot vor Wut hetzte er sogar die Hunde auf die erschöpften
Menschen. In diesem Augenblick kam ein Fremder mit zwei Rappen
daher und beobachtete eine Weile das Treiben des Grafen. "Schinder,
Unmensch!", rief er dann dem Burgherrn zu, "hast du
kein Herz in deinem Leib?"
Wutschnaubend hetzte dieser die Hunde auf den Fremden, die aber
gleich darauf von den Hufen der Rappen zerstampft tot auf dem
Boden lagen. "Macht Platz, Leute!", forderte der Fremdling
die Bauern auf, und als sie gehorchten, spannte er seine beiden
Rappen vor den schweren Wagen und fuhr pfeifend und peitschenknallend
im Trab den Burgweg hinauf.
Mit offenem Mund und sprachlos vor Erstaunen beobachtete der
Graf die unerhörte Leistung der Rappen. "Die müssen
mein werden um jeden Preis...", dachte er sich und bot dem
Fremden sogleich einige hundert Taler für die Pferde an.
Dieser aber schüttelte nur den Kopf und wollte den Burghof
verlassen.
Da ließ der Graf das Tor schließen, die Zugbrücke
aufziehen und erklärte die Rappen als sein Eigentum. Der
Fremdling aber lachte nur dazu, schwang sich plötzlich auf
eines der Tiere und ritt gemütlich durchs verschlossene
Tor und über den Graben hinweg ins Freie hinaus, wo er sogleich
verschwand..... |